NAS kaufen 2026: Ugreen, Synology, QNAP oder Selbstbau?
Die NAS-Landschaft hat sich in den letzten anderthalb Jahren massiv verändert. Synology, jahrelang die Standardempfehlung, hat mit fragwürdigen Entscheidungen viel Vertrauen verspielt. Gleichzeitig ist mit Ugreen ein Newcomer aufgetaucht, der erstaunlich gute Hardware zu vernünftigen Preisen liefert. Und die Festplattenpreise? Die sind seit Ende 2025 um teilweise über 40% gestiegen. Zeit für eine ehrliche Bestandsaufnahme.
Was ist bei Synology passiert?
Synology hat 2025 zwei Dinge getan, die in der Homelab-Community für massiven Ärger gesorgt haben. Erstens: Bei den x25-Modellen (DS225+, DS425+) wurde der Intel GPU-Treiber aus DSM entfernt. Hardware-Transcoding für Plex, Jellyfin und Emby ist damit auf offiziellem Weg nicht mehr möglich. Die CPU muss das alleine stemmen – bei 4K-Inhalten bedeutet das 80-100% Auslastung statt 10-20%. Synology begründet das mit Lizenzkosten für HEVC, aber der Aufschrei war gewaltig.
Zweitens: Synology versuchte, nur noch eigene zertifizierte SSDs zuzulassen – deutlich teurer als vergleichbare Standardware. Nach Community-Druck wurde das in DSM 7.3 teilweise zurückgenommen, aber nicht-zertifizierte Laufwerke werden weiterhin mit Warnungen markiert. Beides zusammen hat das Bild einer Firma gezeichnet, die versucht, ihre Kundenbasis in ein zunehmend geschlossenes Ökosystem zu drängen.
Fairerweise: DSM bleibt das beste NAS-Betriebssystem auf dem Markt. Wer kein Transcoding braucht und sich nicht an den SSD-Warnungen stört, bekommt mit einem Synology nach wie vor ein bombensicheres, einfach zu bedienendes System. Aber die Zeiten, in denen Synology die blinde Empfehlung für alle war, sind vorbei.
Ugreen NASync: Der Newcomer, der ernst macht
Ugreen kennen die meisten von USB-Kabeln und Ladegeräten. Dass die jetzt NAS-Systeme bauen, klingt erstmal schräg – aber die NASync-Serie hat sich als überraschend solide erwiesen.
DXP4800 Plus (4-Bay): Intel Pentium Gold 8505, 8 GB DDR5 (erweiterbar auf 16 GB), 2,5-GbE + 10-GbE, HDMI-Ausgang, PCIe-Slot. Aktuell ca. 580-700 USD je nach Angebot. Das ist die Hardware, die Synology in der Preisklasse nicht bietet: 10-GbE ab Werk, erweiterbar, und keine künstlichen Einschränkungen bei Laufwerken.
DH4300 Plus (4-Bay, Budget): ARM-basiert (Rockchip RK3588C), 8 GB RAM fest, 2,5-GbE, HDMI. Deutlich günstiger, weniger leistungsstark. Ideal als reiner Datenspeicher und Medienserver ohne schweres Transcoding. Top-Down-Laufwerkseinschübe, kompaktes Design, leiser Betrieb.
DH2300 (2-Bay, Einstieg): Ab ca. 200 USD. ARM-Prozessor, 4 GB RAM. Für Einsteiger, die Cloud-Abos ersetzen und eine private Datenhaltung aufbauen wollen. Überraschend gut für den Preis.
Das Betriebssystem UGOS Pro ist intuitiv und verbessert sich mit jedem Update, hat aber noch Lücken: Keine Btrfs-Snapshots, kein eingebauter VPN-Server, und das App-Ökosystem ist kleiner als bei Synology. Docker läuft, Jellyfin und Plex funktionieren, die Grundlagen stehen. Aber wer Power-User-Features wie Synologys Surveillance Station oder Drive-Sync braucht, wird Kompromisse machen müssen.
Der entscheidende Vorteil: Ugreen schränkt nichts künstlich ein. Jede Platte, jede SSD, volle GPU-Unterstützung für Transcoding. Und die Hardware ist in der jeweiligen Preisklasse fast immer besser bestückt als die Konkurrenz.
QNAP: Viel Hardware, wechselhafte Software
QNAP liefert traditionell mehr Hardware pro Euro als Synology: mehr RAM, schnellere Netzwerkports, M.2-Slots ab Werk. Das QTS-Betriebssystem hat viele Funktionen, fühlt sich aber unaufgeräumter an als DSM. Der größere Kritikpunkt: QNAPs Sicherheitsbilanz war in den letzten Jahren nicht ideal – es gab mehrere ernste Ransomware-Vorfälle. Die Situation hat sich gebessert, aber es bleibt ein Nachgeschmack.
Selbstbau mit Unraid oder TrueNAS
Maximale Kontrolle, maximale Flexibilität, aber auch maximaler Zeitaufwand. Ein typisches 4-Bay-DIY-Setup 2026:
Mainboard + CPU: Intel N100 Mini-ITX ~130€. RAM: 16 GB DDR4 ~35€. Gehäuse: Jonsbo N2 oder Fractal Node 304 ~90-110€. Netzteil + Boot-SSD + Kabel: ~80€. Festplatten: 4×8 TB à ~170€ = 680€ (Preise Stand Q1 2026, stark gestiegen).
Gesamt: ca. 1.000-1.050€. Vor einem Jahr wäre das ~750€ gewesen. Die Festplattenpreise sind der Haupttreiber – wie du trotzdem sinnvoll planst, steht in Speicher richtig planen.
Die Festplatten-Situation 2026
Die HDD-Preise sind seit Ende 2025 drastisch gestiegen. Je nach Modell 30-50% Aufschlag gegenüber Mitte 2025. Ursache: massive Nachfrage von Cloud-Anbietern und Hyperscalern, dazu Lieferengpässe bei einigen Kapazitäten.
Konkret: Seagate IronWolf 8 TB liegt bei ca. 170-190€ (vorher 120-130€). WD Red Plus 8 TB bei ca. 180-220€. 16-TB-Modelle kratzen an der 400€-Marke. Das macht die Wahl des RAID-Levels noch wichtiger, weil jede „verschwendete" Platte real ins Geld geht.
Sweet Spot beim Preis pro TB: aktuell 8-12 TB. Preisalarme bei Geizhals oder CamelCamelCamel setzen und bei Angeboten zuschlagen. Mehr Tipps dazu in Günstige NAS Festplatten finden.
Empfehlung
Einsteiger, Familie, Cloud-Ersatz: Ugreen DH2300 oder DH4300 Plus. Simpel, günstig, fertig in 20 Minuten.
Medienserver / Homelab: Ugreen DXP4800 Plus. 10 GbE, PCIe, HDMI, Intel Quick Sync. UGOS Pro wird stetig besser.
Maximum Datensicherheit: DIY mit TrueNAS und ZFS. ECC-RAM, Checksummen, Snapshots.
Maximum Flexibilität: DIY mit Unraid. Starte mit zwei Platten, erweitere beliebig.
Wer DSM liebt und kein Transcoding braucht: Synology bleibt solide – trotz allem. Aber informiere dich vorher über die Einschränkungen.
Nutz den RAID Calculator, um die optimale Konfiguration für dein Budget zu finden.
Synology Drama 2024-2025: Was sich geändert hat
Mitte 2024 hat Synology angekündigt, in zukünftigen NAS-Modellen nur noch eigene gebrandete Festplatten (Synology HAT3300, HAT5300) zu unterstützen. Drittplatten würden Warnungen werfen oder Features einschränken. Die Reaktion in der Community war massiv negativ.
Stand 2026: Synology rudert zurück. Der DS923+ (Plus-Serie) erlaubt weiterhin alle CMR-NAS-Platten, mit Warnung beim Setup. Bei den DS-Plus-2025-Modellen (DS425+, DS725+ etc.) ist die Restriktion teilweise aufgeweicht. Aber: Bei manchen Funktionen (M.2 SSD Storage Pool als regulärer Volume) sind nur Synology SSDs frei.
Konsequenz für Käufer: Vor Kauf prüfen, ob das gewählte Modell deine geplanten Platten erlaubt. Synology-Compatibility-Liste konsultieren.
Ugreen als ernsthafte Alternative 2026
Ugreen NASync hat 2024-2025 stark zugelegt. Aktuell konkurrenzfähig:
- Ugreen DXP2800 (2-Bay, ~280€): Intel N100, 8 GB DDR5, 2.5 GbE. Spürbar schneller als Synology DS224+ zum gleichen Preis.
- Ugreen DXP4800 Plus (4-Bay, ~580€): Intel-Processor, 8 GB DDR5, 10 GbE, M.2 NVMe Slots. DS923+ Konkurrent zum 70% Preis.
- Ugreen DXP6800 Pro (6-Bay, ~890€): Intel i5, 16 GB DDR5, 2x 10 GbE. Im Preis-Leistungs-Vergleich aktuell ungeschlagen.
Software (UGOS Pro) ist noch nicht auf DSM-Niveau, aber 2025-Updates bringen Container, Snapshots, Backup-Apps. Bei Tech-Affinität gute Wahl.
HexOS für Selbstbau-Einsteiger
Wenn du selbst baust und ZFS willst aber TrueNAS-Konfiguration scheust: HexOS (auf TrueNAS Scale basierend) bietet plug-and-play Setup in 15 Minuten. Kostenlos für Heim-Nutzung. Geeignet für Mini-PCs mit N100/N305 und 16 GB RAM. hexos.com.
Asustor und TerraMaster - die unterbewerteten
Asustor Lockerstor 4 Gen3 (~700€): 4-Bay, AMD Ryzen V1500B, 8 GB ECC, 2.5 GbE. ECC-Support ist im Heim-NAS-Markt selten und für ZFS gold wert.
TerraMaster F4-424 Pro (~600€): 4-Bay, Intel i5, 16 GB DDR5, 10 GbE. Preislich aggressiv, Software TOS 6 ist okay aber nicht überragend. Häufig im Sale unter 500€.
Beide für Selbstbau-affine User interessant: Container, Docker, Vincentius (TrueNAS auf Asustor möglich).
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