Hot Spare vs Cold Spare: Welche Reserve braucht dein NAS?
Eine Reserveplatte für den Notfall ist sinnvoll – aber soll sie laufend mitlaufen (Hot Spare) oder im Schrank liegen (Cold Spare)? Beides hat Vor- und Nachteile. Hier ist die ehrliche Einordnung.
Die Kurzfassung
Hot Spare: Eine Platte ist am NAS angeschlossen und läuft mit, wird aber nicht ins RAID eingebunden. Bei Plattenausfall startet das Rebuild automatisch und sofort. Cold Spare: Eine Reserveplatte liegt im Schrank, identisch zur eingebauten. Bei Ausfall manuell tauschen. Für Heim-NAS reicht Cold Spare meistens, Hot Spare ist Enterprise-Komfort.
Wie Hot Spare funktioniert
Du baust eine zusätzliche Platte ein, das NAS markiert sie als "Spare" und lässt sie idle laufen (oder im Spin-Down). Beim Ausfall einer Aktiv-Platte:
- Controller markiert defekte Platte
- Hot Spare wird automatisch ins RAID übernommen
- Rebuild startet sofort
- Du musst nur die defekte Platte irgendwann ersetzen
Vorteil: Zeit zwischen Ausfall und Rebuild = 0. In dieser kritischen Phase, wo das RAID degraded läuft, bist du schneller wieder geschützt.
Wie Cold Spare funktioniert
Eine identische Platte (gleiche Größe, idealerweise andere Charge) liegt verpackt im Schrank. Bei Ausfall:
- Defekte Platte ausbauen
- Cold Spare einbauen
- Rebuild manuell starten
Zeit zwischen Ausfall und Rebuild: meist 1-24 Stunden, je nachdem wann du es merkst und wie schnell du dazu kommst.
Vergleich: Kosten und Risiko
Hot Spare:
- Anschaffung: 1× Platte (zB 280€ für 16 TB)
- Strom: ~5 W zusätzlich = 13€/Jahr bei 0.30€/kWh
- Verschleiß: läuft mit, altert mit. Nach 5 Jahren u.U. selbst nicht mehr verlässlich
- Bay-Verbrauch: braucht Slot im Gehäuse
Cold Spare:
- Anschaffung: 1× Platte (zB 280€)
- Strom: 0
- Verschleiß: keiner – Platten lagern problemlos 5+ Jahre
- Bay-Verbrauch: keiner
Über 5 Jahre kostet Hot Spare 65€ extra Strom plus Plattenverschleiß. Cold Spare ist objektiv sparsamer.
Wann Hot Spare echten Mehrwert bringt
- Du bist häufig nicht zuhause oder reagierst nicht innerhalb von 24h auf Notification
- RAID 5 mit großen Platten: Rebuild dauert sowieso 12-24h. Jede Stunde früher gestartet = bessere Statistik
- Kritische Daten ohne separates Backup: doppelte Sicherung über schnellen Rebuild
- Enterprise-Setup mit SLA: Down-Time-Vermeidung ist Pflicht
Wann Cold Spare ausreicht
- RAID 6, RAIDZ2 oder Unraid mit 2 Parität – zweite Parität gibt dir 24-48h Reaktionszeit
- Du checkst NAS-Notifications täglich
- Heim-NAS mit Backup an anderem Ort
- Limitierte Bays (4-bay-Gehäuse) wo jeder Slot zählt
Spezial-Variante: Pre-Burned Cold Spare
Smarter Hybrid: Cold Spare vor Lagerung 48h Burn-in, dann SMART-Werte aufschreiben und ablegen. Bei Bedarf: einbauen, Burn-in nicht mehr nötig, sofort produktiv. Spart die kritischen Stunden vor Rebuild-Start. Empfohlene Lagerung: kühl, trocken, antistatisch.
Anti-Pattern: Cold Spare aus laufendem System
Manche basteln einen Cold Spare aus einer ausgemusterten Platte mit hoher Betriebsstunden-Anzahl. Schlechte Idee: Platten mit 30k+ Stunden haben merkbar erhöhte Ausfallrate, gerade unter Rebuild-Last. Lieber neue Platte als Ersatz vorhalten.
Praxis-Empfehlung
4-bay Heim-NAS mit RAID 6: Cold Spare. Die zwei Paritäten geben Zeit, ein Slot bleibt frei für Erweiterung.
6-bay+ NAS mit RAID 6 oder RAIDZ2: Hot Spare lohnt sich, vor allem wenn du oft weg bist. Slot ist sowieso da.
RAID 5: Hot Spare oder Upgrade auf RAID 6. Allein ein Cold Spare reicht statistisch nicht.
Unraid: Cold Spare reicht. Unraid kann nach Plattentausch sofort starten, weil Daten pro Platte gespeichert sind.
Wichtige Notes
Notifications einrichten. Egal ob Hot oder Cold Spare – du musst wissen, dass eine Platte ausgefallen ist. Synology, QNAP, TrueNAS haben E-Mail/Push-Benachrichtigung.
Spare-Platte aus anderer Charge. Bei gleicher Charge fallen Platten oft zur ähnlichen Zeit aus. Spare aus anderem Hersteller-Lot reduziert Korrelation.
SMART-Status prüfen. Spare-Platten regelmäßig durchchecken, auch im Schrank. SMR-CMR-Hinweis: Spare auf demselben Typ wie Original.
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