RAID 5 vs RAID 6: Welches solltest du wirklich nehmen?

RAID 5 oder RAID 6? Die Entscheidung treffen die meisten NAS-Bauer einmal – und merken die Konsequenzen erst Jahre später, wenn die erste Platte ausfällt. Hier ist die ehrliche Antwort mit echten Zahlen statt Hersteller-Marketing.

Die Kurzfassung

RAID 5 opfert eine Platte für Parität, überlebt einen Plattenausfall. RAID 6 opfert zwei Platten, überlebt zwei gleichzeitige Ausfälle. Bei 3-4 Platten oder Kapazitäten unter 8 TB pro Platte: RAID 5 reicht. Bei 5+ Platten oder Platten ab 12 TB: nimm RAID 6.

Was die beiden eigentlich tun

Beide verteilen Daten plus Paritätsinformationen über alle Platten. Fällt eine Platte aus, rekonstruiert das System aus den verbleibenden Platten plus Parität die fehlenden Daten. RAID 5 berechnet eine Parität, RAID 6 zwei – über unterschiedliche Algorithmen. Daher die zusätzliche Sicherheit.

Kapazität: Was bleibt nutzbar?

Faustformel:

RAID 5: (Anzahl Platten − 1) × Plattengröße

RAID 6: (Anzahl Platten − 2) × Plattengröße

Konkrete Beispiele mit 16 TB Platten:

Je mehr Platten, desto kleiner der prozentuale Kapazitätsverlust – und desto mehr lohnt sich RAID 6.

Reliability: Der Rebuild ist das eigentliche Problem

Ein Rebuild bei 16 TB dauert 12-20 Stunden, bei 22 TB schon 18-30 Stunden. In dieser Zeit:

Consumer-Platten haben eine spezifizierte URE-Rate von ~1 zu 10^14 gelesenen Bits. Klingt viel. Bei einem Rebuild von 4×16 TB liest du aber 48 TB = 3,8×10^14 Bit. Statistisch: rund 3-fache URE-Wahrscheinlichkeit pro Rebuild. In der Praxis heißt das: Rebuild-Versagen ist bei großen RAID 5 kein Schwarzmalen, sondern realistisches Risiko.

RAID 6 toleriert während des Rebuilds noch eine zweite ausgefallene Platte ODER einen URE auf einer anderen Platte. Genau das macht den Unterschied.

Performance: Schreib-Penalty

Beim Schreiben muss in beiden Modi Parität neu berechnet werden – das drückt sequentielle Writes auf etwa 60-80% der Roh-Plattengeschwindigkeit (RAID 5) bzw. 50-70% (RAID 6). Random Writes leiden stärker. Im typischen NAS-Betrieb (Medien-Server, Backup-Target, Fileshare): irrelevant. Bei Datenbanken oder VMs: spürbar.

Kosten: Was die zweite Parität kostet

Bei 16 TB Platten zu rund 280€:

Ab 6 Platten ist RAID 6 ein No-Brainer. Bei 4 Platten lautet die Frage: 50% Aufpreis für die zweite Parität – oder Roulette?

Wann RAID 5 noch okay ist

Wann RAID 6 Pflicht ist

Migration RAID 5 → RAID 6

Möglich, aber unangenehm. Synology, QNAP und mdadm können online migrieren – Dauer pro Platte: 12-30 Stunden, nicht abbrechbar, Performance währenddessen mau. ZFS unterstützt keine RAIDZ-Konvertierung; dort musst du den Pool neu anlegen und Daten umkopieren.

Lehre: Plane RAID 6 von Anfang an, wenn Plattenanzahl oder Kapazität es nahelegen. Migration funktioniert, kostet aber einen Tag und schont nicht die Nerven.

Alternativen

RAID 10 – schnellere Random Writes und IOPS, aber 50% Kapazität für Spiegel. Für VMs und DBs sinnvoll, im Heimbereich selten.

RAIDZ2 – ZFS-Variante von RAID 6 mit Block-Checksummen gegen Bitrot. Mehr CPU, mehr RAM, langfristig deutlich sicherer.

SHR-2 – Synology-Variante, erlaubt zusätzlich gemischte Plattengrößen. Nur auf Synology-Hardware.

Für dein konkretes Setup vergleichst du Kapazität und Kosten beider Varianten direkt im RAID Calculator.

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