Alle RAID-Typen erklärt: Praxis-Guide für NAS und Homelab
TL;DR
Es gibt rund neun RAID-Familien, die heute praktisch relevant sind. Die meisten Heimanwender landen bei einer von vier: RAID 1 für 2-Bay-NAS, RAID 6 oder RAIDZ2 für vier bis acht Platten, SHR-2 auf Synology, Unraids Paritäts-Modell für gemischte Plattengrößen. RAID schützt nicht vor Feuer, Diebstahl, Ransomware oder versehentlichem Löschen — dafür ist ein Backup da. Auf dieser Seite stehen die Eckdaten jedes Levels, was es an Kapazität kostet und welche Fehler am häufigsten passieren.
Konkrete Zahlen für deine Hardware? Jeden RAID-Typ direkt mit deinen Plattengrößen vergleichen.
RAID-Rechner öffnen →Alle RAID-Level im Überblick
| Level | Überlebt Ausfall von | Was du tatsächlich bekommst | Passt zu |
|---|---|---|---|
| Kein Schutz | |||
| RAID 0 | keiner Platte | alle Platten zusammengezählt | Cache, Scratch |
| JBOD | nur Dateien dieser Platte | alle Platten zusammengezählt | Append-only-Archiv |
| Spiegel | |||
| RAID 1 | allen Platten bis auf eine | Größe einer Platte | 2-Bay-NAS |
| RAID 10 | einer Platte pro Spiegelpaar | Hälfte der Gesamtkapazität | VMs, Datenbanken |
| Einfache Parität | |||
| RAID 5 / RAIDZ1 / SHR-1 | einer beliebigen Platte | alle Platten außer einer | 3–4 kleine Platten |
| Unraid 1P | einer beliebigen Platte | Summe der Datenplatten (Paritätsplatte zählt nicht) | gemischte Größen |
| Doppelte Parität | |||
| RAID 6 / RAIDZ2 / SHR-2 | zwei beliebigen Platten | alle Platten außer zwei | 5+ Platten, ab 8 TB |
| Unraid 2P | zwei beliebigen Platten | Summe der Datenplatten (Paritätsplatten zählen nicht) | größere gemischte Pools |
| Dreifache Parität | |||
| RAIDZ3 | drei beliebigen Platten | alle Platten außer drei | 10+ Platten, ZFS |
„Alle Platten außer einer“ heißt: 5×10 TB in RAID 5 ergeben 40 TB nutzbar (eine Platte Kapazität wird Parität). Mindestplattenzahl und Detailformeln: Methodik.
Bevor du dich für ein Level entscheidest
Diese fünf Fragen beantworten die Wahl meist besser als das Level selbst.
Wie viele Platten und welche Größen? 2-Bay läuft fast immer auf RAID 1 oder einfache Parität bei SHR/Unraid hinaus. Bei 4–6 Bays wird die Debatte RAID 5 vs. 6 vs. RAIDZ2 relevant. Gemischte Größen schließen klassisches RAID aus und führen zu SHR oder Unraid.
Gibt es ein Backup? RAID schützt gegen Plattenausfall. Nicht gegen Ransomware, Feuer, Diebstahl, eine Überspannung, die alle Platten gleichzeitig grillt, oder versehentlich gelöschte Ordner. Ohne Offsite-Backup ist kein RAID-Level sicher.
Wie groß sind die Platten? Aktuelle 16–24 TB Platten brauchen 24–48 Stunden für den Paritäts-Rebuild. Die Wahrscheinlichkeit, dass in diesem Fenster eine zweite Platte ausfällt, steigt mit Array-Größe. Die verbreitete Faustregel „RAID 5 ist tot ab 8–12 TB Platten“ kommt aus genau dieser Rechnung — siehe Rebuild-Rechner.
Was ist die Last? Plex und Jellyfin stressen kaum ein RAID. VMs, Datenbanken und Live-Videoschnitt wollen RAID 10 oder ZFS-Mirrors. Cold-Archive sind auf SHR oder Unraid bestens aufgehoben, weil dort einzelne Platten schlafen gehen.
Welches OS? Synology-Hardware bekommt SHR. Unraid bekommt Unraid-Parität. TrueNAS bekommt ZFS (RAIDZ oder Mirrors). Standard-Linux/Windows bekommt mdadm oder Hardware-RAID. Oft trifft das OS die Vorentscheidung.
Unsicher, wo anfangen? Der Wizard gibt in fünf Fragen eine konkrete Empfehlung.
RAID-Wizard →RAID 0 — reines Striping
Daten werden in Blöcke aufgeteilt und parallel auf alle Platten geschrieben. Doppelt so viele Platten ergeben grob doppelten Durchsatz. Null Redundanz: Fällt eine Platte aus, ist das gesamte Array weg, weil jede Datei nur halb auf jeder Platte liegt. RAID 0 gehört auf Scratch-Disks, Editing-Caches, Game-Installationen, die sich neu laden lassen. Sonst nirgends.
RAID 1 — Spiegel
Jede Platte enthält eine identische Kopie. Mit zwei Platten darf eine sterben. Mit drei dürfen zwei sterben. Nutzbare Kapazität entspricht der kleinsten Platte, egal wie viele du hinzufügst — der Rest ist Redundanz. Der Klassiker für 2-Bay-NAS: einfach, sicher, der Rebuild nach einem Ausfall ist eine Datei-Kopie von der überlebenden Platte. Backblazes Drive Stats berichten für typische NAS-Platten Ausfallraten in der Größenordnung von 1 % pro Jahr.1 Bei einem 2-Platten-Spiegel ist die Chance, dass beide gleichzeitig ausfallen, klein — aber nicht null. Backup bleibt Pflicht.
RAID 5 und RAIDZ1 — einfache Parität
Eine Platte Parität verteilt über alle Mitglieder. Beliebige eine Platte darf ausfallen und wird beim Rebuild wiederhergestellt. Nutzbare Kapazität: (N−1) × kleinste Platte.
Auf drei oder vier kleinen Platten ist einfache Parität mathematisch okay. Mit größeren Platten steigt das Risiko, weil Rebuilds länger dauern und das Array währenddessen keine weitere Ausfallreserve hat. Ein zweiter Ausfall — oder auch nur ein einzelner Unrecoverable Read Error (URE) auf einer überlebenden Platte — beendet das Array.
Eine WD Red Plus 12 TB ist mit einem URE pro 1014 gelesenen Bits spezifiziert.2 Bei einem 5-Platten-RAID-5 aus 12-TB-Platten werden im Rebuild rund 44 TB gelesen — das liegt in der gleichen Größenordnung wie die URE-Schwelle. Ob du ihn triffst, ist Glück — der Trend spricht aber gegen einfache Parität bei großen Platten. Mehr zu RAID 5 →
RAIDZ1 hat die gleiche Ausfalltoleranz wie RAID 5, ergänzt aber Block-Prüfsummen. Stille Korruption wird erkannt und — wenn Redundanz da ist — repariert. Am Grundrisiko einfacher Parität ändert das nichts.
RAID 6 und RAIDZ2 — doppelte Parität
Zwei Platten Parität. Zwei gleichzeitige Ausfälle werden toleriert. Nutzbare Kapazität: (N−2) × kleinste Platte.
Standardempfehlung ab fünf Platten oder ab 8 TB Plattengröße. Die zweite Paritätsplatte ist der Preis dafür, während eines mehrtägigen Rebuilds noch eine Reserve zu haben. RAIDZ2 macht dasselbe innerhalb ZFS, wo das Checksumming zusätzlich Bit-Rot beim Scrub erkennt. Mehr zu RAID 6 →
RAID 10 — Stripe aus Spiegeln
Platten werden paarweise gespiegelt, die Paare gestriped. Immer gerade Plattenanzahl. Die Hälfte der Bruttokapazität ist Redundanz. Lesen skaliert mit der Anzahl der Spiegel, Schreiben weniger, weil jede Schreiboperation beide Spiegelhälften trifft.
Vorteil: Rebuild-Geschwindigkeit. Eine ausgefallene Platte wird block-für-block von ihrem überlebenden Partner kopiert — keine Paritätsberechnung, kein Full-Array-Scan. Stunden statt Tage. Das macht RAID 10 zur richtigen Wahl für VMs, Datenbanken und alles, wo Downtime-Risiko während des Rebuilds wichtiger ist als Kapazitätseffizienz.
RAIDZ3 — dreifache Parität
Nur ZFS. Drei gleichzeitige Ausfälle werden toleriert. Nutzbare Kapazität: (N−3) × kleinste Platte. RAIDZ3 ergibt Sinn bei sehr großen Pools (10+ Platten), wo Rebuild-Fenster lang sind und ein dritter Ausfall während Recovery nicht mehr hypothetisch ist. Für typische 4–8-Platten-Pools reicht RAIDZ2.
SHR-1 und SHR-2 — Synology Hybrid RAID
SHR ist Synologys adaptives Paritätslayout. Intern werden mehrere RAID-Gruppen über die Größenstufen der Platten gelegt und zu einem Volume kombiniert. Effekt: Gemischte Plattengrößen liefern ihre volle Kapazität und nicht nur die der kleinsten Platte.
Beispiel: 3×8 TB plus 1×4 TB in SHR-1 ergeben rund 20 TB nutzbar. Dieselben Platten in klassischem RAID 5 nur 12 TB. SHR-1 entspricht einfacher Parität, SHR-2 doppelter.3
SHR läuft nur in Synology DSM. Eine Migration nach TrueNAS, Unraid oder Standard-Linux ist ohne Neuformatierung nicht möglich. Synologys Hardware-Kompatibilitätsrichtlinie hat sich 2024–2025 verändert: bestimmte neuere Plus-Modelle beschränken die volle Feature-Parität (inklusive SHR) auf Synology-eigene Platten.4 Wer Drittanbieter-Platten nutzen will, sollte die Kompatibilitätsliste vor dem Kauf prüfen. Mehr zu Synology DSM →
Unraid — unabhängige Platten plus Parität
Unraid geht anders ran. Jede Datenplatte ist ein eigenständiges Dateisystem (ext4, XFS, btrfs oder ZFS) mit eigenem Inhalt. Eine oder zwei zusätzliche Paritätsplatten halten das XOR aller Datenplatten und müssen mindestens so groß sein wie die größte Datenplatte.
Ein einzelner Datenplatten-Ausfall wird aus der Parität wiederhergestellt. Fällt eine Datenplatte zusammen mit der Paritätsplatte aus, verlierst du nur den Inhalt der einen Datenplatte — die anderen bleiben einzeln lesbar. Bei striped RAID wäre alles weg. Die Eintauschware: Rohgeschwindigkeit gegen Robustheit und Flexibilität.
Gemischte Plattengrößen sind natürlich. Eine neue Platte erfordert kein Rebalancing — zuweisen, pre-clearen, fertig. Unraid ist kostenpflichtig (One-time-Lizenzen von 49 bis 249 US-Dollar Stand 2024).5 Mehr zu Unraid →
JBOD
Platten werden hintereinandergehängt und als ein Volume präsentiert. Keine Redundanz, kein Striping. Eine Plattenpanne verliert nur die Dateien dieser Platte — anders als RAID 0, wo alles weg ist. JBOD eignet sich für Scratch-Space und Append-only-Archive mit anderem Backup. Die meisten NAS-Systeme bieten es als Option an, langfristig nutzen es wenige.
Empfehlung nach Use-Case
2-Bay-NAS, Familienfotos: RAID 1 (oder SHR-1 auf Synology). Einfach, kleines Ausfallfenster, leicht wiederherzustellen.
4-Bay-NAS, alle Platten gleich: RAID 6 / RAIDZ2 / SHR-2 ab 8 TB; RAID 5 / RAIDZ1 / SHR-1 sind bei kleineren Platten für unkritische Fälle akzeptabel.
4–8-Bay, gemischte Größen: SHR-2 auf Synology, sonst Unraid mit zwei Paritätsplatten.
Plex / Jellyfin Media-Server: Kapazität schlägt IOPS. SHR-2, RAIDZ2 oder Unraid 2P sind alle vernünftig.
VMs, Datenbanken, Videoschnitt: RAID 10 oder ZFS-Mirror-Pool. Rebuild-Speed und IOPS schlagen Kapazitätseffizienz.
8+ Platten, ZFS: Zwei RAIDZ2-vdevs (z.B. 6+6) schlagen ein einzelnes 12-breites RAIDZ3 bei Rebuild-Zeit und IOPS.
Häufige Fehler
RAID als Backup behandeln. RAID schützt gegen Plattenausfall. Nicht gegen Malware, versehentliches Löschen, kompletten NAS-Defekt, Feuer oder Diebstahl. 3-2-1 (drei Kopien, zwei Medien, eine offsite) ist das Minimum.
Einfache Parität bei 12 TB+ Platten. Rebuild-Fenster von ein bis drei Tagen plus URE-Mathematik machen RAID 5, RAIDZ1 und SHR-1 mit größeren Platten zunehmend riskant. Wechsel zu doppelter Parität.
SMR und CMR mischen. Shingled-Magnetic-Recording-Platten können beim Rebuild herausfallen, weil die Schreibleistung unter Dauerlast einbricht. Die meisten NAS-Platten sind CMR — Datenblatt prüfen.6
URE-Risiko beim Rebuild ignorieren. Consumer-Platten sind auf einen URE pro 1014 Bits spezifiziert. Pro- und Enterprise-Platten typisch auf 1015 — eine Größenordnung besser. Der Rebuild-Rechner zeigt das kumulierte Risiko.
Btrfs-RAID-5/6 als sicher annehmen. Die Btrfs-RAID-5/6-Implementierung hat seit Jahren bekannte Datenverlust-Bugs und gilt mit Kernel 6.x weiterhin als experimentell.7 Wenn du Parität brauchst: ZFS RAIDZ, mdadm-RAID oder Synology SHR.
Häufige Fragen
Ist RAID ein Backup?
Nein. RAID hält das System verfügbar, wenn eine Platte ausfällt. Ein Backup ist eine separate Kopie der Daten, die einen Totalausfall überlebt. Du brauchst beides.
Was ist der Unterschied zwischen RAID 1 und RAID 10?
RAID 1 spiegelt alle Platten in eine einzige Kopie, die nutzbare Kapazität entspricht einer Platte – egal wie viele du hinzufügst. RAID 10 spiegelt Platten paarweise und stripet die Paare; die nutzbare Kapazität ist die Hälfte der Bruttokapazität.
Kann ich Platten zu einem bestehenden RAID hinzufügen?
Hängt vom System ab. Synology SHR und Unraid erlauben das Erweitern Platte für Platte. Klassisches RAID braucht Reshape oder Neuaufbau. OpenZFS 2.3 hat 2024 die RAIDZ-Expansion eingeführt – seitdem kann auch ZFS einen vdev plattenweise vergrößern.
Hardware-RAID oder Software-RAID?
Für NAS-Anwendungen ist Software-RAID (mdadm, ZFS, btrfs, Synology, Unraid) 2026 Standard. Hardware-RAID-Karten sind ein zusätzlicher Single Point of Failure und binden das Array an einen bestimmten Controller-Typ.
Macht RAID meinen Rechner langsamer?
Auf modernen CPUs kostet die Paritätsberechnung praktisch nichts. Schreibvorgänge gehen auf alle Platten – die absoluten Schreib-IOPS können niedriger sein als bei einer einzelnen Platte, beim Streaming oder Archivieren merkt das aber niemand.
Kann ich SSDs im RAID nutzen?
Ja. Die gleichen RAID-Level gelten. SSDs haben andere Ausfallmuster als HDDs, und Consumer-SSDs sind selten für dauerhafte Array-Schreiblast spezifiziert. Datacenter- oder Enterprise-SSDs passen besser.
Was ist stille Datenkorruption?
Bits, die auf der Platte kippen, ohne dass der Controller einen Fehler meldet. Klassisches RAID erkennt das nicht. ZFS und btrfs ergänzen Prüfsummen pro Block – bei einem Scrub wird die fehlerhafte Kopie aus der Redundanz repariert.
Wie lange dauert ein RAID-Rebuild?
Grob sechs bis zwölf Stunden pro TB auf üblicher NAS-Hardware. ZFS-Pools resilvern nur belegte Blöcke, drosseln aber, um den laufenden Betrieb zu schonen. Der Rebuild-Rechner gibt eine Schätzung für deine Plattengröße und Array-Breite.
Konfigurationen mit echten Plattengrößen vergleichen und das Rebuild-Risiko prüfen.
Rechner · Rebuild-RechnerQuellen
- Backblaze Drive Stats — vierteljährliche Ausfallraten über 250.000+ Platten, CC-BY 4.0, backblaze.com/cloud-storage/resources/hard-drive-test-data.
- WD Red Plus Produkt-Brief, Western Digital, documents.westerndigital.com.
- Synology Knowledge Center, „Was ist Synology Hybrid RAID (SHR)?“, kb.synology.com.
- Synology Hardware-Kompatibilitäts-Update für Plus-Modelle 2025, Synology-Produktseiten.
- Unraid-Preise, unraid.net/pricing.
- CMR/SMR-Offenlegung Western Digital, blog.westerndigital.com.
- Linux-Kernel-Dokumentation btrfs RAID 5/6, btrfs.readthedocs.io.
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