RAID 10 vs RAID 6: Welches passt zu deinem NAS?
RAID 10 oder RAID 6? Beide brauchen mindestens vier Platten und beide überleben den Ausfall von zwei Platten – aber unter sehr unterschiedlichen Bedingungen. Hier ist der Praxis-Vergleich mit echten Zahlen, ohne Hersteller-Marketing.
Die Kurzfassung
RAID 10: Stripe über mehrere Mirror-Paare. Schnelle Random-Writes, kurze Rebuilds, aber 50% Kapazitätsverlust. RAID 6: doppelte Parität über alle Platten verteilt. Maximale Kapazität, aber langsamere Writes und längere Rebuilds. Für Heim-NAS mit Medien-Workload ist RAID 6 fast immer die richtige Wahl. Für VMs, Datenbanken oder hohe Schreiblast: RAID 10.
Was die beiden unterschiedlich machen
RAID 6 verteilt Daten plus zwei unabhängige Parity-Stripes über alle Platten. Beim Schreiben werden beide Parities live berechnet – das kostet Performance. Dafür kannst du beliebige zwei Platten verlieren, egal welche.
RAID 10 koppelt jeweils zwei Platten zu Mirror-Paaren und stripet Daten über diese Paare. Schreiben heißt nur "auf beide Platten im Paar gleichzeitig" – keine Berechnung nötig. Dafür: Wenn beide Platten desselben Paares ausfallen, ist der ganze Verbund verloren – auch wenn nur 2 von 8 Platten betroffen sind.
Kapazität: was bleibt nutzbar
Bei 8×16 TB Platten:
- RAID 6: (8−2)×16 = 96 TB nutzbar
- RAID 10: 8/2 ×16 = 64 TB nutzbar
Differenz: 32 TB oder 33% mehr Kapazität bei RAID 6. Bei 16-Platten-Setup wären es schon 224 TB vs 128 TB – fast doppelt.
Performance im Alltag
Sequenzielles Lesen: RAID 10 minimal schneller dank Parallelität. Im NAS-Alltag (1 GbE = 125 MB/s, 2.5 GbE = 312 MB/s) limitiert sowieso das Netzwerk, nicht die Platten. Praktisch: gleichwertig.
Sequenzielles Schreiben: RAID 10 ~2-3× schneller als RAID 6, weil keine Parity-Berechnung nötig. Wieder: bei 1-2.5 GbE Anschluss kein spürbarer Unterschied.
Random Writes: Hier glänzt RAID 10. Datenbanken und VMs profitieren stark – RAID 6 hat den berüchtigten "small write penalty" (read-modify-write Zyklen). RAID 10 ist 5-10× schneller bei kleinen Random-Writes.
Rebuild-Zeit: RAID 10 rekonstruiert nur vom Mirror-Partner – schnell, geringe Last auf den anderen Platten. Bei 16 TB Platte: 8-12 Stunden. RAID 6 rekonstruiert aus allen verbleibenden Platten – 18-30 Stunden bei gleicher Größe, hohe Last für alle.
Reliability: gegenseitige Ausfall-Toleranz
Beide tolerieren zwei gleichzeitige Ausfälle – aber unterschiedlich:
RAID 6: jeder beliebige zweite Ausfall ist okay. Egal ob Platte 1 und 2 oder Platte 3 und 7 ausfallen, der Verbund läuft weiter.
RAID 10: nur wenn die Ausfälle in verschiedenen Mirror-Paaren liegen. Bei 4 Platten in 2 Paaren (A1+A2, B1+B2): Wenn A1 und B1 ausfallen → okay. Wenn A1 und A2 ausfallen → Datenverlust. Statistisch: Bei 8 Platten überlebt RAID 10 etwa 75% der "zweiten Ausfälle" während eines Rebuilds.
Plus: URE-Risiko bei RAID 6 reduziert sich durch zweite Parität. RAID 10 hat kein URE-Risiko beim Rebuild, weil nur eine Platte gelesen wird.
Kosten pro nutzbarem TB
16 TB Platten zu rund 280€:
- 4×16 TB RAID 10: 1120€ / 32 TB = 35€/TB
- 4×16 TB RAID 6: 1120€ / 32 TB = 35€/TB (gleich, da minimum 4)
- 6×16 TB RAID 10: 1680€ / 48 TB = 35€/TB
- 6×16 TB RAID 6: 1680€ / 64 TB = 26€/TB
- 8×16 TB RAID 10: 2240€ / 64 TB = 35€/TB
- 8×16 TB RAID 6: 2240€ / 96 TB = 23€/TB
RAID 10 bleibt konstant bei 35€/TB. RAID 6 wird mit jeder zusätzlichen Platte effizienter. Ab 6+ Platten ist RAID 6 deutlich günstiger pro TB.
Wann RAID 10 wirklich Sinn ergibt
- Datenbanken oder VMs mit hohem Random-Write-Anteil
- Plex/Jellyfin mit gleichzeitigem Live-Transcoding und Downloads (mehrere parallele Schreibströme)
- Setups mit 10 GbE oder schneller, wo RAID 6 zum Bottleneck wird
- Fälle wo Rebuild-Zeit kritisch ist und du dir das Geld leisten kannst
Wann RAID 6 die richtige Wahl ist
- Klassisches Heim-NAS mit Medien-Archiv und Backups (Lese-lastig)
- Setups mit 6 oder mehr Platten, wo Kapazität wichtig ist
- Verbünde mit großen Platten ab 12 TB, wo URE-Schutz nötig ist
- Synology, QNAP oder TrueNAS – die Standard-Empfehlung der Hersteller
Hybrid-Lösung: RAID 60
Für sehr große Setups (12+ Platten) gibt es noch RAID 60: mehrere RAID-6-Gruppen, gestripet. Kombiniert Sicherheit von RAID 6 mit Skalierung. In der Praxis im Heimbereich sehr selten – meist nur Enterprise.
Empfehlung nach Workload
Medien-NAS (90% Lesen): RAID 6 oder RAIDZ2
Backup-NAS: RAID 6 (Schreiblast meist sequenziell, kein Random-Write-Problem)
VM-Host oder Datenbank: RAID 10 oder zfs-mirror-vdevs
Hybrid (alles ein bisschen): RAID 6 mit SSD-Cache für die Random-Lasten
Vergleich für dein konkretes Setup im RAID Calculator.
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