NAS & RAID Glossar

Schnelle Definitionen aller wichtigen Begriffe rund um NAS, RAID und Storage. Klick auf einen Begriff für vertiefenden Artikel.

AFR (Annual Failure Rate)
Statistische Ausfallrate einer Festplatte pro Jahr. Consumer-Platten liegen bei ~1.5%, Enterprise bei 0.5-0.8%. Multipliziert sich bei mehreren Platten: 8 Platten in RAID 0 = ~11.4% Ausfallchance/Jahr.
Bitrot
Stille Datenkorruption – einzelne Bits ändern sich unbemerkt durch magnetisches Drift, kosmische Strahlung oder Controller-Bugs. Klassisches RAID erkennt das nicht. Schutz: ZFS oder Btrfs mit Block-Checksums. Mehr: Bitrot & ZFS Scrubbing.
CMR (Conventional Magnetic Recording)
Klassisches Festplatten-Aufzeichnungsverfahren mit parallelen Spuren ohne Überlappung. Schreibvorgänge sind schnell und vorhersagbar. RAID-tauglich. Gegenstück zu SMR. Mehr: SMR vs CMR.
Hot Spare
Reserveplatte, die im laufenden NAS angeschlossen ist und bei Plattenausfall automatisch ins RAID übernommen wird. Gegenstück zu Cold Spare. Mehr: Hot Spare vs Cold Spare.
IOPS (Input/Output Operations per Second)
Maß für die Anzahl an Lese-/Schreib-Operationen pro Sekunde. Wichtig für Datenbanken und VMs. HDDs: 100-200 IOPS, SSDs: 10.000-100.000+ IOPS.
JBOD (Just a Bunch Of Disks)
Mehrere Platten werden zu einem logischen Volume verkettet, ohne RAID-Logik. Gesamtkapazität = Summe aller Platten. Kein Schutz, aber bei Ausfall verlierst du nur die Daten der defekten Platte (anders als RAID 0).
MTBF (Mean Time Between Failures)
Statistische Lebensdauer-Angabe in Stunden. Enterprise-Platten haben 2-2.5 Mio. Stunden MTBF, Consumer 1-1.5 Mio. Aussagekraft begrenzt – AFR ist praxisnaher.
NAS (Network Attached Storage)
Festplatten-Server fürs Heimnetz oder Büro. Bietet Storage über SMB, NFS, AFP. Beispiele: Synology, QNAP, TrueNAS, Unraid, Selbstbau.
Parität
Redundanz-Information, die aus den Daten anderer Platten berechnet wird. Bei Plattenausfall können fehlende Daten daraus rekonstruiert werden. RAID 5 nutzt eine Parität, RAID 6 zwei.
Rebuild / Resilver
Wiederaufbau eines RAID nach Plattenwechsel. Daten werden aus Parity oder Mirror auf die neue Platte rekonstruiert. Dauert je nach Größe 12-50 Stunden. ZFS nennt es Resilver. Mehr: RAID Rebuild-Zeit.
SHR (Synology Hybrid RAID)
Synology-eigenes RAID, das gemischte Plattengrößen optimal nutzt. Anders als klassisches RAID 5/6 (das auf kleinste Platte limitiert) verteilt SHR Daten in mehreren Schichten. SHR-1 = 1 Platten-Schutz, SHR-2 = 2.
SMART (Self-Monitoring, Analysis and Reporting Technology)
Selbstüberwachung in jeder Festplatte. Liefert Werte wie Power_On_Hours, Reallocated_Sectors, Pending_Sectors. Tool zum Auslesen: smartctl. Pflicht-Check bei gebrauchten Platten.
SMR (Shingled Magnetic Recording)
Aufzeichnungsverfahren mit überlappenden Spuren für höhere Kapazität pro Platter. Schreibvorgänge unter Dauerlast langsam. Im RAID problematisch, kann zu Rebuild-Fehlern führen. Mehr: SMR vs CMR.
SSD (Solid State Drive)
Halbleiter-Speicher ohne mechanische Teile. Schneller, leiser, teurer pro TB als HDD. Im NAS oft als Cache oder für aktive Daten.
Striping
Aufteilung von Daten in Blöcke, verteilt über mehrere Platten parallel. Erhöht Lese-/Schreib-Geschwindigkeit. Wird von RAID 0 (ohne Schutz) und RAID 5/6/10 (mit Schutz) verwendet.
TB vs TiB
TB (Terabyte) = 10^12 Byte (dezimal). TiB (Tebibyte) = 2^40 Byte (binär, ~1.1 TB). Hersteller geben TB an, OS zeigt oft TiB. 16 TB Platte = ~14.5 TiB nutzbar.
Unraid
Kommerzielles NAS-Betriebssystem von Lime Technology. Pro Platte ein Dateisystem, eine oder zwei Paritäts-Platten. Erlaubt beliebige Plattengrößen und Erweiterung. Kostet einmalig ab ~60 USD.
USV (Unterbrechungsfreie Stromversorgung) / UPS
Akku-Puffer, der den NAS bei Stromausfall sauber herunterfährt. Verhindert RAID-Korruption durch unsauberen Shutdown. Mehr: Beste USV für NAS.
URE (Unrecoverable Read Error)
Unwiederherstellbarer Lesefehler. Statistisch ein URE pro 10^14 gelesener Bits bei Consumer-Platten. Bei großen RAID-Rebuilds nicht zu vernachlässigen, kann RAID 5 zum Abbruch bringen. Mehr: Rebuild-Zeit.
ZFS / RAIDZ
Modernes Dateisystem + Volume-Manager. Block-Checksummen schützen gegen Bitrot, RAIDZ1/2/3 sind ZFS-Pendants zu RAID 5/6/...mit dreifacher Parität. Hoher RAM-Bedarf (Faustregel 1 GB pro TB).
HexOS
Konsumer-freundliches NAS-Betriebssystem, basiert auf TrueNAS Scale mit ZFS darunter. Ziel: Plug-and-Play-UI für Heim-User, die ZFS-Vorteile (RAIDZ, Checksums, Snapshots) ohne Konfigurations-Aufwand wollen. Kostenlos für Heim-Nutzung. Nutzt unter der Haube dieselben ZFS-RAIDZ-Modi wie TrueNAS.
Btrfs
Modernes Linux-Dateisystem mit Snapshots, Checksums und integriertem RAID 0/1/10. RAID 5/6 gilt weiterhin als instabil – nicht für Produktion. Mehr: Btrfs RAID 5/6 Probleme.
Cache (SSD)
SSD vor langsamerem HDD-Pool zum Beschleunigen häufiger Zugriffe. Read-Cache: nur Beschleunigung, Write-Cache: Schreibgeschwindigkeit + Pufferung. ZFS unterscheidet ARC (RAM) und L2ARC (SSD).
Checksum
Hash über Datenblock zur Integritätsprüfung. ZFS und Btrfs speichern Checksums pro Block, klassisches RAID nicht. Erkennt Bitrot. Mehr: ZFS vs ext4 vs Btrfs.
Cold spare
Reserve-Platte im Schrank, nicht angeschlossen. Bei Ausfall manuell tauschen. Spart Strom und Verschleiß gegenüber Hot Spare. Mehr: Hot spare vs cold spare.
Copy-on-Write (CoW)
Schreibverfahren von ZFS und Btrfs: Daten werden nie überschrieben, sondern an neue Position geschrieben und Pointer aktualisiert. Ermöglicht atomare Snapshots und schützt vor Write Hole.
Deduplication
Erkennt identische Datenblöcke und speichert sie nur einmal. ZFS-Dedup ist sehr RAM-hungrig (~5 GB pro TB Daten). Lohnt selten – Snapshots/Compression bringen meist mehr.
ext4
Standard-Linux-Dateisystem. Stabil, schnell, ohne Checksums oder Snapshots. Funktioniert mit mdadm-RAID und LVM. Klassischer Stack auf OMV. Mehr: ZFS vs ext4 vs Btrfs.
Hot swap
Platte im laufenden Betrieb tauschen, ohne den NAS abzuschalten. Setzt entsprechende Backplane und RAID-Modus voraus. Standard bei Synology/QNAP, bei DIY hardwareabhängig.
iSCSI
Block-Protokoll: NAS stellt eine virtuelle Festplatte (LUN) übers Netzwerk bereit. Client greift auf Blockebene zu, formatiert selbst. Typisch für VMware, Hyper-V, Datenbanken.
mdadm
Linux Software-RAID-Tool. Bildet RAID 0/1/5/6/10 ohne Hardware-Controller. Solide, gut dokumentiert, aber ohne Checksums. Basis von Synology SHR und OMV-RAID.
NFS
Network File System. Unix-Standard für Datei-Sharing. Schneller und CPU-schonender als SMB, aber bei Windows umständlicher. Pflicht für Linux/macOS-NAS-Mounts.
NVMe
Modernes SSD-Protokoll über PCIe. Bis ~7000 MB/s sequenziell, viel höhere IOPS als SATA-SSDs. Im NAS typisch als Cache oder eigener All-Flash-Pool.
Pool (ZFS)
ZFS-Speichercontainer aus einem oder mehreren vdevs. Datasets liegen im Pool und teilen sich Kapazität dynamisch. Erweiterung nur durch zusätzliche vdevs, nicht durch einzelne Platten.
RAID-Controller
Hardware-Karte mit eigener CPU und Cache, die RAID berechnet. Vorteil: BBU schützt vor Write Hole. Nachteil: Lock-in – fällt der Controller, brauchst du oft das gleiche Modell zur Wiederherstellung.
Scrub / Scrubbing
Hintergrund-Job, der alle Daten liest und mit Checksums vergleicht. Findet Bitrot bevor er zur Korruption wird. Auf ZFS/Btrfs monatlich planen. Mehr: Bitrot & ZFS scrubbing.
SMB / CIFS
Windows-Netzwerkprotokoll für Datei-Sharing. Standard auf jedem NAS. SMB3 unterstützt Verschlüsselung und Multichannel. SMB1 deaktivieren – unsicher.
Snapshot
Punkt-in-der-Zeit-Kopie eines Datasets. Bei ZFS/Btrfs durch CoW nahezu kostenlos und atomar. Schutz gegen Ransomware und versehentliches Löschen – kein Backup-Ersatz.
TBW (Terabytes Written)
SSD-Lebensdauer-Kennzahl: garantiert beschreibbare Datenmenge. Consumer ~150-600 TBW pro TB, Enterprise mehrere PBW. Wichtig bei Cache-SSD im NAS.
vdev
ZFS Virtual Device: Gruppe von Platten in RAIDZ, Mirror oder Stripe. Ein Pool besteht aus einem oder mehreren vdevs. IOPS skalieren mit Anzahl vdevs, nicht mit Plattenzahl.
Write hole
RAID 5/6-Risiko: Stromausfall mitten im Schreiben kann Daten und Parität inkonsistent hinterlassen. Mitigation: BBU am Hardware-Controller, ZFS/Btrfs CoW, oder USV.
ECC RAM
Error-Correcting RAM erkennt und korrigiert einzelne Bitflips. Für ZFS dringend empfohlen, da unkorrigierte RAM-Fehler in Checksums geschrieben werden können. Pflicht bei TrueNAS-Servern mit kritischen Daten.
HBA (Host Bus Adapter)
Controller-Karte ohne RAID-Logik – reicht Platten direkt ans OS durch (IT-Mode). Pflicht für ZFS und TrueNAS. Klassiker: LSI/Broadcom 9300-8i im IT-Mode geflasht.
HDD (Hard Disk Drive)
Klassische Festplatte mit rotierenden Magnetscheiben. Günstig pro TB, langsam (100-250 MB/s, 100-200 IOPS), verschleißanfällig. Standard im NAS-Massenspeicher.
10 GbE
Netzwerk mit 10 Gigabit/s. Erst sinnvoll, wenn der Pool mehr als 1 GbE liefern kann (SSDs oder ≥ 4 HDDs als Stripe). Switch und Karte gibt es ab ~150 EUR. Mehr: 10 GbE Upgrade fürs NAS.
LACP / Link Aggregation
Bündelt mehrere Netzwerk-Ports zu einem logischen Link. Erhöht Gesamtdurchsatz bei mehreren Clients (jede Verbindung bleibt jedoch auf einen Port begrenzt). Setzt managed Switch voraus.
Jumbo Frames
Ethernet-Pakete mit MTU 9000 statt 1500. Reduziert CPU-Last bei Großtransfers, bringt v.a. bei 10 GbE+ etwas. Muss auf NAS, Client und Switch identisch eingestellt sein, sonst Paketverluste.
VLAN
Virtuelles LAN. Trennt logisch Netzwerksegmente auf demselben Switch (z.B. NAS, IoT, Gäste). Verbessert Sicherheit und Übersicht. Setzt managed Switch voraus.
VPN
Verschlüsselter Tunnel für Fernzugriff aufs NAS, ohne Ports öffentlich offen zu lassen. Empfehlung: WireGuard oder Tailscale. Niemals SMB direkt ins Internet stellen.
LVM (Logical Volume Manager)
Linux-Schicht zwischen Disks und Dateisystem. Erlaubt Volumes über mehrere Platten hinweg, Vergrößern im laufenden Betrieb und Snapshots. Häufig auf OMV in Kombination mit mdadm.
LUN (Logical Unit Number)
Vom NAS bereitgestellte virtuelle Festplatte für iSCSI- oder Fibre-Channel-Clients. Wird vom Client wie eine lokale Disk formatiert (NTFS, ext4, VMFS).
Quota
Speicher-Obergrenze pro Nutzer, Share oder Dataset. Verhindert, dass ein Account den Pool füllt. ZFS-Quotas pro Dataset sind besonders flexibel.
3-2-1 Backup-Regel
3 Kopien der Daten, auf 2 unterschiedlichen Medien, 1 davon off-site. Industriestandard – RAID zählt nicht als Backup, weil keine Versionierung und keine räumliche Trennung.
RPO / RTO
RPO = wie viel Datenverlust akzeptabel ist (z.B. max. 1 h). RTO = wie schnell der Dienst nach Ausfall wieder läuft. Bestimmen Backup-Frequenz und Wiederherstellungsstrategie.
Air-Gap Backup
Backup-Medium ist physisch getrennt (USB-Disk im Schrank, rotierte LTO-Bänder). Schutz gegen Ransomware, da das Backup nicht erreichbar ist, wenn der Angreifer aktiv ist.
LUKS / Encryption at rest
LUKS = Linux-Standard zur Festplattenverschlüsselung. ZFS und Btrfs bringen native Encryption mit. Schützt Daten bei Diebstahl der Disk – nicht im laufenden Betrieb. Mehr: ZFS Verschlüsselungs-Guide.
Docker
Container-Laufzeitumgebung. Ermöglicht es, Apps wie Plex, Jellyfin, Home Assistant oder Nextcloud isoliert auf dem NAS zu betreiben. Standard auf Synology, QNAP, Unraid, TrueNAS Scale. Mehr: Self-Hosting auf dem NAS.
Proxmox VE
Open-Source-Hypervisor auf Debian-Basis. Beliebte Kombination: Proxmox auf Bare Metal, TrueNAS oder OMV als VM. Verwaltet KVM-VMs und LXC-Container in einer Web-UI.
Reallocated Sectors
SMART-Attribut: Anzahl defekter Sektoren, die durch Reservesektoren ersetzt wurden. > 0 ist ein Frühwarnzeichen, > 50 = Disk planmäßig austauschen. Wert auf gebrauchten Platten unbedingt prüfen.
Workload Rating
Hersteller-Spec: maximaler jährlicher Datendurchsatz (TB/Jahr) im Garantie-Rahmen. Consumer-HDD: 55 TB/Jahr, NAS-HDD: 180-300 TB/Jahr, Enterprise: 550 TB/Jahr. Mehr: Festplatten-Ausfallraten 2026.
Plattengrößen-Mismatch
Klassisches RAID 5/6 nutzt nur die Größe der kleinsten Platte – größere Platten verlieren Kapazität. SHR und Unraid lösen das. Mehr: Gemischte Plattengrößen im RAID.

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